Background

1979

Mingus
Joni Mitchell

1971

1991

Mud Slide Slim and The Blue Horizon
James Taylor

New Moon Shine
James Taylor

1971

1976

Blue
Joni Mitchell

Hejira
Joni Mitchell

1974

1988

The Walking Man
James Taylor

Never Die Young
James Taylor

1980

1979

Dirty Mind
Prince

Prince
Prince

1984

Paris Texas
Ry Cooder

Meine Kunst soll an der Front zeitgenössischer PopMusik stattfinden. Ich möchte heutige Musik innovieren, weiterdenken und meinen Beitrag zur Weiterentwicklung der Kunst des 21. Jahrhunderts leisten. Der Anspruch ist es, ein Werk zu schaffen mit hoher gegenwärtiger Relevanz und Authentizität als wichtigster Grundsatz.

Historischer Kontext

Das Aufwachsen in einem Haushalt, in dem mir keine Musik auferlegt oder mitgegeben wurde, und in einem Land mit einer vergleichsweise kleinen und geografisch stark konzentrierten Musikkultur hat in meinem Künstlersein bis heute gewisse Lücken hinterlassen. Keinen selbstverständlichen kulturellen und frühadoleszenten Kontext zu bestimmten Genres zu haben und unterschiedlichste Stile erst eigenhändig entdecken, ausprobieren und für mich erschliessen zu müssen, kostet nicht nur Zeit. Es bedeutet auch, dass mir teilweise jene musikalische Sozialisation fehlt, die bei vielen Künstler*innen ganz selbstverständlich mit ihrer Biografie verbunden ist. Dadurch entsteht eine Lücke eines nicht vorhandenen künstlerischen Hintergrunds, eine gewisse Absenz von „von da komme ich“ – musikstilistisch gesprochen. Es fehlt mir teilweise dieser selbstverständliche Ursprung, der gewollt oder ungewollt Einfluss in die eigene musikalische Sprache nimmt und zu dem man sich gleichzeitig zugehörig oder verbunden fühlen kann. Als Künstler, für den Authentizität wahrscheinlich den höchsten Stellenwert im eigenen Schaffen einnimmt, bedeutet das auch, dass für mich dieser Teil des natürlichen Fundaments nicht existiert, auf dem diese Authentizität baut.

Ein grosser Leitfaden dieser Masterarbeit wurde also die Frage „von wo komme ich?“ – wiederum musikstilistisch gesprochen. Wo liegen die musikalischen Wurzeln meiner heutigen Musik? Welche Künstler*innen, Genres, Sounds und Ideen haben mich dorthin gebracht, wo ich heute stehe? Und wie viel von dem, was ich heute als meine eigene musikalische Sprache empfinde, lässt sich auf etwas zurückführen, das bereits vor mir existiert hat?

Spannend ist dabei, dass die Ziele meiner Kunst eigentlich rein in der Gegenwart stattfinden. Mein Anspruch ist es, an der Front des Zeitgeistes zu arbeiten und aktuelle Entwicklungen mitzuformen. Die eigentliche Arbeit an meiner Musik fand jedoch zu einem grossen Teil in der Vergangenheit statt. Um zu verstehen, wo ich heute musikalisch stehe, musste ich mich mit der Geschichte der Musik noch tiefer als zuvor auseinandersetzen.

Was das Neueste und der Puls der Zeit sind, beschäftigt mich seit Jahren – darin bin ich immer top informiert. So galt es in dieser Arbeit nicht mehr primär darum, die neusten Entwicklungen zu entdecken, sondern genau diese Neuheiten heutiger Musik in der Vergangenheit einzuordnen. Woher kommen die Sounds, Songwriting-Ansätze, Produktionsweisen und musikalischen Ideen, die heute wieder oder immer noch relevant sind? Wer hat was gemacht, wer hat was innoviert und welche Entwicklungen haben dazu geführt, dass meine Musik heute so klingt, wie sie klingt? Die Gegenwart wurde dadurch nicht weniger relevant, sondern im Gegenteil verständlicher. Meine Aufgabe bestand deshalb darin, diese Verbindungen sichtbar zu machen und dadurch auch meine eigene musikalische Position besser zu verstehen. Diese tiefe Auseinandersetzung hat mich sehr geerdet und verwurzelt. Heute spüre dank dieser Arbeit einen tiefen Bezug zur Musik, die vor mir kommen musste, damit ich heute so klingen darf wie ich klinge. Nicht zuletzt hat es auch den Bezug zu meiner eigenen Musik noch stärker verankert.
Zusätzlich kompensierte das Studieren dieser rund 50-jährigen Diskographien gewissermassen die fehlenden musikalischen Wurzeln aus der Kindheit ein wenig.

Joni Mitchell, James Taylor, Prince, Don McLean, Stevie Wonder, Paul Simon, Greg Leisz, Ry Cooder, David Lindley, Jaco Pastorius, Pat Metheny, Pino Palladino, Jackson Browne, Carole King, Billy Joel – um nur einige zu nennen – sind „the driving force“ hinter der Musik, die ich heute machen und hören darf. All diese Musiker*innen waren mir natürlich bereits bekannt. Die Auseinandersetzung im Rahmen dieser Arbeit ging jedoch weit darüber hinaus, ihre Namen und einzelne Songs zu kennen. Es ging darum, gesamte Musikkataloge kennenzulernen, ihre Entwicklung nachzuvollziehen und zu verstehen, welche Entscheidungen, Innovationen und künstlerischen Haltungen hinter der Musik stehen, die mich heute prägt.

Während der Erarbeitung meiner Stücke habe ich deshalb über längere Zeit ausschliesslich Joni Mitchells und Princes Diskografien gehört und studiert, um ein tieferes Verständnis für ihren Einfluss auf mein heutiges Schaffen zu entwickeln. Ich wollte die musikalischen Innovationen der 70er und frühen 80er Jahre ausgiebig kennenlernen und nachvollziehen, wie diese Entwicklungen die Musik, die ich heute mache und höre, überhaupt ermöglichen und mitformen. Dabei ging es mir nicht nur um das reine Hören, sondern um ein möglichst genaues Verstehen der musikalischen Sprache, des Songwriting und der Lyrics, der Arrangements, speziell der Sounds und der Entscheidungen, die hinter diesen Werken stehen.

Prince beispielsweise hat den Direct-Input-E-Gitarrensound auf eine Weise geprägt, die bis heute nachwirkt und in den letzten Jahren einen neuen Bloom erhielt. Dies ist auch in meiner eigenen Musik hörbar - beispielsweise in Songs wie „Only If U Call Sumtime“.
Pat Metheny war einer der frühen und prägendsten Adoptierer von Guitar-Synthesizern, deren Möglichkeiten heute wiederum Teil meiner eigenen musikalischen Welt sind und von Claude Stucki in meiner Live-Band eingesetzt werden.

Ry Cooder, David Lindley und Greg Leisz haben den Sound von Steel Guitar und Lap Steel entscheidend geprägt und damit auch einen wesentlichen Teil jener Americana-Sprache mitgeformt, deren Einfluss in heutiger, verwandter Musik kaum wegzudenken ist. Mein Song „Rodeo Fight“, welcher traditionelle Americana-Elemente stark mit HipHop verbindet, könnte ohne das Schaffen von Ry Cooder heute nicht existieren.

James Taylor und Don McLean wiederum sind für mich eine Masterclass in Songwriting. An ihren Songs lässt sich studieren, wie „the best of the best“ eine Geschichte erzählen.

Diese Kurzausführung ist natürlich sehr salopp und wird dem Umfang meiner Auseinandersetzung mit diesen Musikkatalogen, wie auch den Einflüssen dieser Interpret*innen, bei weitem nicht gerecht. Die Auseinandersetzung mit den genannten Künstler*innen war über einen langen Zeitraum ein wesentlicher Bestandteil meiner Arbeit und hat auf unterschiedlichsten Ebenen Einfluss auf mein eigenes Schaffen genommen.

Der nennenswerteste und für mich persönlich wohl prägendste Einfluss gilt es nun jedoch noch etwas ausführlicher auszuführen:

Joni Mitchell.

Joni Mitchell ist für mich der Inbegriff von „true artistry“, von echtem Künstlerdasein. Sie ist eine Künstlerin, wie es Picasso war. Eine unglaubliche Poetin, Malerin und Songwriterin, die sich selbst erst an vierter Stelle als Musikerin beschreibt. Genau diese Vielseitigkeit und die Selbstverständlichkeit, mit der sie sich nicht auf Definitionen festlegen lässt, faszinieren mich an ihr besonders. Sie ist für mich ein echter Freigeist und ich bewundere sie für ihre kompromisslose Kunst. Sie ist ein perfektes Beispiel für ungefilterten Ausdruck, dafür, immer wieder gegen den Strom zu schwimmen und letztlich nur das zu machen, wobei sie sich selbst treu bleibt. Sie hat sich nie von Erwartungen anderer definieren lassen:
Wenn Labels Popmusik wollten, hat sie Jazz gemacht.
Wenn die Welt Musik von ihr wollte, hat sie gemalt.
Diese kompromisslose Haltung gegenüber der eigenen Kunst und die Bereitschaft, Erwartungen bewusst zu enttäuschen, beeindrucken mich enorm. Sie hat die besondere Fähigkeit, sich immer wieder neu zu erfinden, ohne dabei ihre eigene Identität zu verlieren.

Das Künstler*insein ist kein Beruf, sondern eine Identität und eine Art, durchs Leben zu gehen. Joni Mitchell könnte dafür kaum ein besseres Beispiel sein. Es genügen wenige Sekunden eines Interviews mit ihr, und ihre Persönlichkeit verrät sofort: Hier spricht eine waschechte Künstlerin.
Das bewundert mich sehr.

Mit 19 Studioalben hinterlässt Joni Mitchell der Welt eine aussergewöhnlich grosse Diskografie und einen kaum zu überschätzenden Einfluss auf alles, was danach kam und bis heute kommt. Ihre Musik, ihre Harmonien, ihre Instrumentation, ihre künstlerische Haltung und vor allem ihr Songwriting und ihre Texte haben Generationen von Musiker*innen geprägt und sind für mich bis heute relevant. „Mk.Gee“ zum Beispiel, der in meiner Nische zu einem der heissesten, aktuellen Protagonisten wurde und für seine Sounds extrem begehrt wird, weisst sehr viel von Joni’s klängen vor. Das ganze „Hejira“ Album von Mitchell könnte so genau die nächste „Mk.Gee“ platte werden.

Als eine der grössten Poet*innen unserer Zeit habe ich mich dabei besonders intensiv mit ihren Texten auseinandergesetzt. Ihre Art, Beobachtungen, persönliche Erfahrungen, Bilder und Gefühle in Sprache zu übersetzen, war für meine eigene Arbeit von besonderer Bedeutung.

Auf diese Auseinandersetzung mit ihren Texten und deren Einfluss auf mein eigenes Songwriting werde ich im Kapitel „Songs“ noch ausführlicher eingehen.

Moons and junes and ferris wheels,
the dizzy dancing way you feel

Joni Mitchell

Well something’s lost and something’s gained
In living everyday"

Joni Mitchell



Gegenwärtiger Kontext

An der Front gegenwärtiger Musik in den Nischen Indie Pop, Alternative, Folk und Hip-Hop/Rap bin ich stets top up to date. Ich weiss immer genau, was aktuell läuft – von den kleinsten, neuesten Social-Media-Accounts, die etwas Frisches und Eigenständiges an den Tag bringen, bis hin zu den grössten Protagonistinnen und prägenden Künstlerinnen der Szene. Wie bereits erwähnt, ist es mein Anspruch, genau am jetzigen Punkt der Musikgeschichte anzusetzen und nicht lediglich auf bestehende Entwicklungen zu reagieren, sondern aktiv daran mitzuwirken. Trotzdem ist zeitgenössische Musik immer auch ein Austausch mit den eigenen Peers. Ihre Einflüsse prägen den eigenen Blick auf die Szene ebenso und sind für meine Arbeit nicht wegzudenken.

Zu den relevanten Musiker*innenund Künstler*innender Szene zählen Dijon, Ryan Beatty, Mk.Gee, Cameron Winter, Bon Iver, Drake, J. Cole, Lizzy McAlpine, Playboi Carti, Daniel Caesar, Phoebe Bridgers, Billie Martin, Sam Wilkes, Ethan Gruska, Blake Mills, Tony Berg, Ryan Richter, Humble The Great, Mack Keane, Doggone, Jake Minch, Quadeca, Joshua Slone, Saya Gray, *jia, Harrison Borts und Nami, um nur einige zu nennen.

Ich möchte meinen eigenständigen Fingerabdruck in diese Szene setzen.



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