“Topic”
Diese Masterarbeit ist eine Reifung von mir „DAT“ als Künstler, Soloartist, Songwriter, Lyriker, Musiker und Person. Die Arbeit ist in erster Linie eine Widmung an das Künstlersein; Ich sehe mich in allem, was ich tue, als Künstler und lebe dies voll und ganz als Teil meiner Identität.
Mein Schaffen soll an der Front zeitgenössischer PopMusik stattfinden. Ich möchte heutige Musik innovieren, weiterdenken und meinen Beitrag zur Weiterentwicklung der Kunst des 21. Jahrhunderts leisten. Der Anspruch ist es, ein Werk zu schaffen mit hoher gegenwärtiger Relevanz und Authentizität als wichtigster Grundsatz. An der Front des Zeitgeistes zu schaffen ist für mich nicht gleichbedeutend mit dem Kopieren dessen, was gerade passiert oder funktioniert. Am Puls der Zeit zu sein bedeutet für mich neue Movements mit zu formen, anstatt Trends nach zu machen. Intention dieser Arbeit war es, die gegenwärtig relevanteste Musik mit einer zeitgemässen, innovativen Live-Performance zu verbinden.
“Musikstilistik”
Vor 13 Jahren startete meine Songwriting-Karriere, mit 18 meine Solokarriere und mit 23 Jahren war mein Sound als Artist zu dem gedeiht, worauf ich heute baue und weiterentwickle.
Zuhause im Indie Pop, Folk und Americana, sowie HipHop und Rap, tanzt meine Musik um die Schnittstellen dieser doch so unterschiedlichen Genres. Gerade dort, wo verschiedene Disziplinen, Stile und Herangehensweisen aufeinandertreffen, entsteht für mich etwas Spannendes und oft auch Innovatives.
Ich bin ein Mensch mit unendlichen Facetten, kann alles auf der Welt extrem gut und bin gleichzeitig in allem unglaublich schlecht, habe endlos viele Interessen und sehr verschiedene musikalische Vorlieben. Oft bin ich alles, was ich bin, auch nicht. Die Fusion zweier Genres, die differenzierter kaum sein könnten, entstand wahrscheinlich als direkte Reflexion meiner Person. Die Herausforderung, diese Welten miteinander zu verbinden, ist gross, aber notwendig. Alles andere wäre für mich nicht authentisch.
In dieser Arbeit möchte ich den Wortschatz meiner eigenen musikalischen Sprache weiter erweitern und die verschiedenen Ausdrucksformen, die darin bereits existieren, noch radikaler miteinander zu verbinden. Es geht darum die Vielschichtigkeit meiner Person als Teil meines Schaffens zu akzeptieren und daraus zu schöpfen.
“Herausforderungen”
Meine Musik untersteht meinem enorm hohen Anspruch an mich selbst, an mein Schaffen und an die Qualität, Reinheit, Ehrlichkeit und Relevanz meiner Kunst. Ich möchte dort stattfinden, wo meine Vorbilder stattfinden. Ich möchte, dass sich mein eigenes Schaffen mit dem messen kann, was ich für das Beste halte und was mich selbst am meisten beeindruckt. Die Messlatte meiner Kunst wird für mich immer von dem gesetzt, was mir am meisten imponiert, mich am tiefsten berührt und in mir den grössten Eindruck hinterlässt.
Gleichzeitig ist mein musikalischer Geschmack über die letzten Jahre immer schmaler, definierter und selektiver geworden. Die selben Ansprüche, die ich an mich und mein eigenes Schaffen stelle, bestimmen auch, welche Musik anderer mir gefällt. Was mich musikalisch berührt, beeindrucken oder wirklich fesseln kann, ist dadurch immer spezifischer geworden. Kombiniert mit einem Zeitalter, in welchem der gesamte musikhistorische Atlas seit der Erfindung des ersten Tonträgers jederzeit und unmittelbar abrufbar ist, wurde aus einem reifen und definierten Musikgeschmack zunehmend eine Form von Heikelkeit und übertriebener Selektivität.
Die Möglichkeit, sich durch unzählige Songs zu klicken, bis man schliesslich bei etwas landet, das den eigenen Ansprüchen genügt, kann schnell in eine gewisse Ignoranz überschwappen. Eine Ignoranz gegenüber dem Fakt, dass hinter jedem dieser Songs Menschen stehen, die dafür Zeit, Gedanken, Entscheidungen, Passion, Talent und Herzblut investiert haben und mit dem Anspruch daran gearbeitet haben, das Beste zu machen, was sie zu diesem Zeitpunkt machen konnten.
In Pre-Streaming-Zeiten kaufte man eine Platte, legte sie auf und hörte sie sich in ihrer Ganzheit durch. Man liess sich auf die Reise ein, die ein Album vorgab, lernte die Songs in ihrem Zusammenhang kennen und gab der Musik die Zeit, sich zu entfalten – nicht zuletzt, weil man schliesslich Geld dafür ausgegeben hatte.
In Zeiten von DSPs hingegen fliegt der Daumen immer schneller und schneller über den Touchscreen, sobald einem etwas nach wenigen Sekunden nicht gefällt. Der nächste Song ist nur einen Wisch entfernt und die Auswahl praktisch grenzenlos. So kann sich eine Hörgewohnheit schnell in etwas verwandeln, das der Arbeit und dem Musicianship der Mitwirkenden nicht mehr mit dem nötigen Respekt begegnet. Musik wird schnell beurteilt, und das Überangebot an Songs lässt unsere Ohren immer weniger zufrieden sein – bis sie schlussendlich gar nichts mehr zufriedenstellt. Darin musste ich mich auch selbst ertappen.
Lange Zeit war es meine Vorstellung, etwas „Neues“ zu schaffen. In einer Musikhistorie, in der alles bereits einmal gemacht wurde, wird diese Formulierung jedoch schnell zur Sackgasse. Der Anspruch, etwas zu erschaffen, das es noch nie gegeben hat, setzt eine Messlatte, die mit jedem Schritt weiter nach oben rückt und irgendwann kaum noch erreichbar ist.
Im Zusammenspiel mit der Entwicklung, die mein Musikgeschmack über die Jahre durchgemacht hat, wurden meine Vorstellungen zunehmend zu einer Unmöglichkeit. Die Messlatte immer und immer höher zu setzen, führte irgendwann dazu, dass mich nichts mehr wirklich zufriedenstellen konnte und es kaum noch Musik gab, die meinen eigenen Ansprüchen genügte. Was ursprünglich aus einem hohen Anspruch an Qualität, Eigenständigkeit und Innovation entstanden war, entwickelte sich zu einer Blockade. Meine Ansprüche an meine eigene Kunst hatten sich zu etwas hochgestapelt, das menschlich nicht mehr möglich war.
So musste ich im Verlaufe meiner Erarbeitung meine Intentionen und Vorstellungen neu formulieren und anders nomenklatieren. Beim Anstreben von etwas global „Neuem“ läuft man unweigerlich Gefahr, in einer Unmöglichkeit zu enden. „Innovation“ und „Weiterentwicklung“ lösten deshalb „etwas Neues schaffen“ als Leitfaden ab und wurden für mich zu den treffenderen Begriffen.
Denn Musik entsteht nie ohne einen historischen Kontext und Bezug. Dies wurde im Verlauf dieser Arbeit zu dem wahrscheinlich zentralsten Gedanken und markierte gleichzeitig eine meiner grössten Auseinandersetzungen.